kontakt.los! Bildung und Beratung für Familien während der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie mit den Maßnahmen zu ihrer Eindämmung ist für Familien eine besondere Herausforderung – im Alltag, bei der Erziehung und Betreuung von Kindern sowie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie stellt auch Einrichtungen, die Eltern unterstützend und beratend zur Seite stehen, vor große Aufgaben. Wie Fachkräfte trotz weitreichender Veranstaltungsverbote, Kontaktbeschränkungen und Abstandsgebote mit Eltern in Kontakt bleiben, sie mit bedarfsgerechten Angeboten und passgenauen Formaten stärken und begleiten können, und welche digitalen Formate und innovativen Ansätze gut angenommen werden, will dieses Projekt untersuchen.

Gesellschaftliche Relevanz

Durch die Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen, den Verzicht auf Unterstützung durch Großeltern sowie weitreichende Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen hat der Familienalltag während der Corona-Pandemie eine neue Realität bekommen. Dieser muss in fast allen Familien tiefgreifend umgestaltet werden. Solche Brüche mit dem gewohnten Alltag können positive Veränderungen hervorbringen. Dieser neue Familienalltag geht aber auch mit zusätzlichen Anforderungen einher: Vereinbarkeit heißt nun für die meisten Eltern Kinderbetreuung, „Home-Schooling“ und die eigene Berufstätigkeit parallel zu managen. Das findet nicht nur unter verschiedenen, branchen- und jobspezifischen Rahmenbedingungen statt, sondern stellt Mütter und Väter auch vor neue pädagogisch-erzieherische Herausforderungen. Bei einigen Familien kommen Sorgen um die eigene Gesundheit und die von Familienmitgliedern, Existenzängste und weitere familiale Belastungen hinzu. Dieser neue Familienalltag verändert die Unterstützungs- und Orientierungsbedarfe von Eltern und Kindern.

Professionelle Bildungs-, Beratungs-, Vernetzungsangebote im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe sollen diese Bedarfe decken, indem sie werdende Eltern, Mütter, Väter und andere Erziehende dabei unterstützen, aufkeimende Konflikte zu lösen, ihre Erziehungsaufgaben gut wahrnehmen und ihren Alltag als Familie meistern zu können.

Ausgelöst durch die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 sind diese Angebote jedoch nicht verfügbar oder nicht auf dieselbe Weise zugänglich wie vor der Pandemie. Viele Einrichtungen haben bereits auf die veränderten Bedarfe der Eltern, die neuen Rahmenbedingungen und wegfallenden Finanzierungsquellen reagiert; es wurden innerhalb kürzester Zeit innovative, digitale Kursformate eingeführt, etablierte Angebote wie Online-Beratungen sowie Eltern-Hilfetelefone ausgebaut oder neu aufgebaut. Von staatlicher Seite werden Rettungsschirme zur Abfederung der Defizite auf den Weg gebracht. Nichtsdestoweniger stehen die Fachkräfte vor immensen organisatorischen und finanziellen Herausforderungen, die eine schnelle Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen behindern können.

Es ist also eine Situation entstanden, die sowohl durch veränderten Bedarf seitens der Familien als auch durch ein verändertes, eingeschränktes Angebot der Anbieter sowie größere Hürden bei deren Zugänglichkeit gekennzeichnet ist. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Kinder- und Jugendhilfe, Verbänden und Politik weisen auf die mögliche Zunahme von Partnerschafts- und Familienkonflikten und häuslicher Gewalt einerseits und größeren Barrieren in der Beratung bei Konflikten andererseits hin. Die zuverlässige Bereitstellung angemessener Hilfs- und Unterstützungsangebote auch und gerade in dieser Zeit ist evident.

Methodik und Zielsetzung

In einer Online-Befragung wird eruiert, wie sich die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 auf Beratungs- und Bildungsangebote für Schwangere und Eltern auswirken und wie sich die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten sowie die Bedarfe verändern. Zielgruppe der Erhebung stellen Einrichtungen der Familienbildung (Familienstützpunkte, Familienbildungsstätten, Mütter- und Familienzentren), der Frühen Hilfen (Koordinierende Kinderschutzstellen) sowie der Beratung (Ehe- und Familienberatungsstellen, Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen und Erziehungsberatungsstellen) in Bayern dar. Diese Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe wurden vom ifb kontaktiert und haben per E-Mail einen personalisierten Einladungslink zur Online-Befragung erhalten.

Die Forschung hat zum Ziel aufzuzeigen, inwieweit die Einrichtungen weiterhin ihrer wichtigen Funktion, nämlich Hilfe und Unterstützung, aber auch Bildungs- und Kommunikationsplattform für Familien zu sein, während der Corona-Pandemie nachkommen können. Darüber hinaus soll ermittelt werden, welche Bedingungen einer zufriedenstellenden Anpassung von Einrichtungen und Beratungsstellen an veränderte Rahmenbedingungen zuträglich sind und welche eher hinderlich. Mit diesen Erkenntnissen können die Einrichtungen zielgerichtet bei Veränderungsprozessen unterstützt werden. Es soll ebenso herausgestellt werden, welche Bedarfe der werdenden Eltern, Mütter und Väter mit dem angepassten Angebotsspektrum gedeckt werden können, und welche an bestimmte Formate gebunden sind und deswegen derzeit eine größere Herausforderung für die Einrichtungen sind. Dies wird eine Einschätzung der Potenziale und Grenzen der Digitalisierung der Familienbildung ermöglichen und so auch aufzeigen, welche etablierten und welche innovativen Angebote sich bewähren und weiterhin verfolgt und ausgebaut werden sollten.

Erste Ergebnisse mit Kernbotschaften sollen den politischen Entscheidungsträgern zeitnah zur Verfügung gestellt werden. Der Transfer in die Fachpraxis wird durch geeignete Formate sichergestellt. Damit soll die Studie in Zeiten, die für Familien besonders herausfordernd sind, dazu beitragen, ein kontinuierliches und bedarfsorientiertes Bildungs- und Beratungsangebot zu sichern. Ebenso soll aus dieser Forschung eine systematische Gegenüberstellung des Veränderungspotentials und der Kontinuitätserfordernisse von Einrichtungen der Familienbildung und familienbezogener Beratung erarbeitet und zur wissenschaftlichen Veröffentlichung in begutachteten Zeitschriften aufbereitet werden. nach oben

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Projektinfo

Eigenprojekt mit Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

Laufzeit: 05/2020 bis 12/2021

Projektteam: Dipl.-Soz. Susanne Elsas, Dipl.-Soz. Doris Lüken-Klaßen (Projektleitung), Dipl.-Soz. Regina Neumann

Familie in Corona-Zeiten - Linksammlung

Wo erhalte ich Hilfe, wenn mir mit meiner Familie gerade alles zu viel wird? Kann mich während Corona mein Partner bei der Geburt begleiten? Wer hilft Mädchen und Jungen bei Sorgen und Notsituationen? Welche finanziellen Unterstützungen kann ich beantragen? Unsere Linksammlung für Fachkräfte, Mütter, Väter und Kinder bietet Informationen zu diesen und vielen weiteren Fragen in Form von Webseiten, Hotlines, Erklär-Videos und Materialien zum Download – zum Teil mehrsprachig.