Familienbildung als Integrationsmotor für Geflüchtete? Herausforderungen und Bedürfnisse von Fachkräften der Familienbildung

Seit 2015 haben mehr als eine Million Menschen in Deutschland Zuflucht gesucht, hierunter zahlreiche Familien. Die Integration der geflüchteten Eltern und Kinder zu unterstützen, ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe, die mittels Eltern- und Familienbildung forciert werden kann. Doch was sind Erfolgsfaktoren – und wo liegen Stolpersteine? Das Projekt „Familienbildung als Integrationsmotor für Geflüchtete“ zeigt das integrative Potenzial der Eltern- und Familienbildung auf, identifiziert Herausforderungen und Bedürfnisse von Fachkräften in der Arbeit mit geflüchteten Familien und analysiert Gründe für Stabilität und Wandel.

Seit Jahrzehnten ist Deutschland ein Ziel für Zuwanderinnen und Zuwanderer aus aller Welt. In der Folge wird das Land immer vielfältiger; rund ein Drittel der hier lebenden Familien zählt zu den Familien mit Migrationshintergrund. In den letzten Jahren hat diese Zuwanderung eine zusätzliche Dynamik bekommen: Zwischen 2015 und 2017 kamen rund 1,4 Millionen Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland; ein Drittel dieser sind Kinder und Jugendliche. Die geflüchteten Familien bringen zahlreiche Ressourcen mit sich, haben aber auch fluchtspezifische Stressoren zu bewältigen.

Die Integration dieser Familien mit Fluchtgeschichte ist eine bedeutsame gesellschaftliche Aufgabe der kommenden Jahre. Präventive Eltern- und Familienbildung kann hier unterstützend wirken. Deren Angebote – wie Beratung, offene Treffs oder niedrigschwellige Bildungsangebote für (werdende) Eltern zu familienbezogenen Themen – stärken familiale Ressourcen, vermitteln Alltagskompetenzen und eröffnen Gelegenheitsstrukturen für Austausch, Information, Reflexion und Vernetzung. Besonders für geflüchtete Mütter kann dies bedeutsam sein, denn sie besuchen Integrationskurse seltener und im größeren zeitlichen Abstand zur Einreise als Männer. Familienbildung bietet somit einen alternativen Zugang in die deutsche Gesellschaft.

Das Potenzial der Familienbildung wird vielerorts erfolgreich genutzt, wovon zahlreiche Beispiele guter Praxis zeugen. Zugleich sind der Zugang zu geflüchteten Familien und die Durchführung der Angebote keine Selbstläufer: Familien mit Migrationshintergrund sind in der Familienbildung unterrepräsentiert; Missverständnisse und Erwartungsdivergenzen erschweren die Arbeit vor Ort, Fachkräfte äußern den Wunsch nach weiteren Ressourcen und Fortbildungen zur Stärkung der interkulturellen Kompetenz.

Das Projekt „Familienbildung als Integrationsmotor für Geflüchtete?“ nimmt diese Herausforderungen in den Blick: Auf der Basis von qualitativen Experteninterviews mit Fachkräften der Familienbildung und der Integrationsarbeit aus den Jahren 2016 und 2019 werden Erfahrungen aus der praktischen Arbeit erhoben und analysiert. Ziel ist die Identifikation der konkreten Herausforderungen und Bedürfnisse der Fachkräfte. Untersucht werden zudem die Gründe für Erfolge und Hürden, für Stabilität und Veränderung in der praktischen Familienbildung. nach oben

Bild: BeTa-Artworks fotolia.com

 

Teaser Bemalte Kinderhaende
Projektinfo

Das Projekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert

Laufzeit: 04/2018 bis 12/2020

Projektteam: Dipl.-Soz. Doris Lüken-Klaßen (Projektleitung), Dipl.-Psych. Pia Bergold, Anastasia Baumtrog, M.A.