Wohnen und materielles Wohlergehen

In der Familienberichterstattung des ifb wird unter anderem auch über die Einkommenssituation von Familien in Bayern berichtet. Dabei ist das Einkommen von Bedeutung, weil es ein wesentliches Wohlfahrtspotenzial der Haushalte darstellt.

Fragestellung und Zielsetzung

Das Wohlfahrtspotenzial des Einkommens hängt jedoch nicht nur von der Anzahl der Personen in einem Haushalt ab, sondern darüber hinaus auch in erheblichem Ausmaß davon, ob der Haushalt in selbstgenutztem Wohneigentum lebt, aus anderen Gründen keine Miete zu zahlen hat oder aber einen wesentlichen Teil des regelmäßigen Einkommens ebenso regelmäßig für Mietzahlungen aufwenden muss.

Selbst wenn alle diese Gruppen durchschnittlich das gleiche Einkommen hätten, wäre ihr Wohlfahrtspotenzial dennoch sehr unterschiedlich. Um dem Rechnung zu tragen, kann ein hypothetischer Mietwert kalkuliert werden, der die Größe und Lage der Immobilie und auch ggf. die Belastung mit Darlehenszinsen und Instandhaltungskosten berücksichtigt (Frick, Goebel und Grabka, 2007).

In einer Begleitpublikation zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) der Bundesregierung zeigen die Autorinnen und Autoren, welchen Einfluss die Berücksichtigung der kalkulatorischen Miete insbesondere auf die altersspezifischen und familienform-spezifischen Armutsrisikoquoten in der Bundesrepublik hat: Die Armutsrisikoquote von Alleinerziehenden z. B. steigt dann um 15 Prozentpunkte. Für Menschen, die älter als 65 sind, sinkt die Armutsrisikoquote um 2,8 bis 3,9 Prozentpunkte. Für Paare mit Kindern steigt die Armutsrisikoquote um 3,3 bis 6,3 Prozentpunkte (BMAS, 2016). 

Wohnkostenbelastung von Familien unterschiedlichen Typs in Bayern

Wie sich die Situation in Bayern darstellt, ist a priori nicht klar. Es ist aber davon auszugehen, dass die Berücksichtigung der kalkulatorischen Miete auch für Bayern Aussagen über die Wohlfahrtsverteilung und insbesondere über Armutsrisikoquoten von Familien unterschiedlichen Typs beeinflusst. Im Vierten Bayerischen Sozialbericht ist zu lesen, dass der Median der Wohnkostenbelastung (warm) für mietende Haushalte von 2003 bis 2013 von 23 auf 30% des Haushaltsnettoeinkommens gestiegen ist, das ist zwar ein stärkerer Anstieg als in den anderen westdeutschen Bundesländern, aber auf niedrigerem Niveau: im westdeutschen Durchschnitt liegt die Wohnkostenbelastung für Mieterinnen und Mieter bei 32 Prozent. Andererseits ist im selben Zeitraum die Wohnkostenbelastung der Haushalte im selbstgenutzten Wohneigentum (die Summe aus Zins, Tilgung und Instandhaltungskosten) nur von 16 auf 17% gestiegen (StMAS, 2017), im westdeutschen Durchschnitt stieg die Wohnkostenbelastung für Eigentümer von 17 auf 19%. Wenn zwar insgesamt die Wohnkostenbelastung in Bayern nicht so hoch ist wie in anderen Teilen Deutschlands, so sind doch die Unterschiede in der Wohnkostenbelastung für mietende und besitzende Haushalte auch in Bayern groß. Hinzu kommt, dass in Bayern der Anteil der Personen, die in selbstgenutztem Wohneigentum leben, im Jahr 2000 deutlich höher war als in Deutschland insgesamt (Mühling und Rost, 2003). Im ifb-Familienreport Bayern 2003 ist zu lesen:

„Auffällig ist, dass in Bayern deutlich mehr Menschen in Wohnungen bzw. Häusern leben, die ihnen bzw. ihrer Familie selbst gehören, als im übrigen Deutschland. Während beispielsweise 67,7% der Menschen, die in bayerischen Familienhaushalten mit zwei Elternteilen leben, Eigentümer ihrer Wohnung sind, liegt der entsprechende Anteil in den übrigen alten Bundesländern nur bei 56,0%. Besonders deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt liegt in Bayern der Eigentümeranteil der Alleinerziehenden: Während in Bayern fast die Hälfte der Menschen, die in Ein-Eltern-Familien leben, keine Miete zahlen müssen, trifft dies im restlichen Westdeutschland nur auf rund ein Viertel dieser Bevölkerungsgruppe und in den neuen Bundesländern sogar nur auf knapp ein Sechstel zu.“ (Mühling und Rost, 2003, S. 82f.)

Analysestrategie

Um die Wohnkostenbelastung von Familien unterschiedlichen Typs in Bayern zu beschreiben, werden die Daten des „Sozio-oekonomischen Panels“ mit der Ergänzungsstichprobe „Familien in Deutschland“ ausgewertet.

Es wird darüber hinaus analysiert, ob die Berücksichtigung der kalkulatorischen Miete bei der Berechnung des Äquivalenzeinkommens die alters- und familientyp-spezifischen Armutsrisikoquoten in Bayern verändert.

Neben der Ermittlung der objektiven Wohnkostenbelastung ist für das Wohlergehen die subjektive Belastung von Bedeutung. Eine explorative Analyse der subjektiven Wohnkostenbelastung wird die Analyse der objektiven Wohnkostenbelastung von Familien abrunden.

Quellen:

BMAS, 2016: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), Analyse der Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland. Begleitpublikation zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Berlin.

Frick, Goebel and Grabka, 2007: Joachim Frick, Jan Goebel, Markus Grabka: Assessing the Distributional Impact of „Imputed Rent“ and „Non-cash Employee Income“ in Microdata: Case Studies Based on EU-SILC (2004) and SOEP (2002). SOEP Survey Papers 231 Series C., reprint 2014.

Mühling und Rost, 2003: Mühling, Tanja und Harald Rost: ifb-Familienreport 2003. ifb-Materialien 2-2003. https://www.ifb.bayern.de/imperia/md/content/stmas/ifb/materialien/mat_2003_2.pdf.

StMAS, 2017: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Vierter Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern. München.

nach oben

Bild: Colourbox

Teaser Wohnkosten
Projektinfo

Eigenprojekt, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

Laufzeit: 01/2020 bis 12/2020

Projektleitung: Dipl.-Soz. Susanne Elsas