Fragmentierung der Elternschaft

Ihre „bio-soziale Doppelnatur“ ist ein Merkmal, das die Familie von anderen Sozialgebilden und Erziehungsinstitutionen unterscheidet. Bei der Mehrheit der Familien sind die biologischen, genetischen, rechtlichen und sozialen Eltern auch heute noch identisch. Ein Kennzeichen des familialen Wandels ist jedoch die steigende Zahl von Familien, in denen die verschiedenen Aspekte der Elternschaft auf mehr als zwei Personen verteilt sind. In der Forschung wird in diesem Kontext von einer fragmentierten Elternschaft (Hoffmann-Riem 1988) oder auch von einer Segmentierung der Elternrolle (Vaskovics 2009) gesprochen.

Eine vollständige oder teilweise Entkoppelung von biologischer, genetischer, rechtlicher und sozialer Elternschaft findet sich in Stief- bzw. Patchworkfamilien, Adoptivfamilien, Pflegefamilien, Regenbogenfamilien und Familien, die durch Gametenspende entstanden sind. Im Vergleich zu Familien, in denen keine Fragmentierung der Elternrollen stattgefunden hat, zeigen sich hier spezifische Herausforderungen aber auch Chancen im Familienalltag. Allen voran spielen Fragen des subjektiven Familienverständnisses eine mehr oder weniger wichtige Rolle, wie zum Beispiel die Frage, wer zur Familie gehört, welche Rolle soziale Eltern im Familienalltag einnehmen und welche Aufgaben der/dem Gametenspender(in) zukommt. Auch wie mit der „Andersartigkeit“ nach außen umgegangen wird, muss in solchen Familien geklärt werden. Nicht zuletzt müssen die Eltern in einigen dieser Familienkonstellationen entscheiden, wie sie mit dem Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft umgehen. Nicht alle diese Kinder sind mit beiden Elternteilen blutsverwandt, was letztlich die Frage aufwirft, ob, wann und wie das Kind darüber informiert wird. Aufgrund ihrer Komplexität haben Familien mit fragmentierter Elternschaft tendenziell einen höheren Bedarf an Beratungs- und Unterstützungsangeboten als andere Familien.

Am ifb werden bzw. wurden bereits Projekte durchgeführt, die direkt oder indirekt das Themenfeld der biologischen und sozialen Elternschaft berühren. Dazu zählen die wissenschaftliche Begleitung der Beratung von Paaren, die reproduktionsmedizinische Maßnahmen in Betracht ziehen, die Studien zu Regenbogenfamilien oder auch die Beschäftigung mit Stieffamilien.

Ziel des Projektes „Fragmentierte Elternschaft“ ist es, die bereits vorliegenden Befunde zu verschiedenen Familienformen aus eigenen Studien, aus der Literatur mit weiteren Sekundäranalysen zu verbinden und systematisch darzustellen, um detaillierte Einblicke in diese Familienformen zu gewähren. Dabei geht es um die Erweiterung des wissenschaftlichen Blickes auf Familie und das Aufzeigen wichtiger Themen, die in der Arbeit mit Familien zukünftig von größerer Bedeutung sein werden. Die entsprechenden Ergebnisse sollen in einem Sammelband zusammengestellt und veröffentlicht werden.

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Family
Anschrift

Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb)

Heinrichsdamm 4
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Telefon +49 (0)951 96525 - 0
Telefax +49 (0)951 96525 - 29
E-Mail: sekretariat @ ifb.uni-bamberg.de
poststelle @ ifb.uni-bamberg.de

Projektinfo

Eigenprojekt, Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration

Projektteam: Pia Bergold (Projektleitung), Dr. Andrea Buschner, Dr. Birgit Mayer-Lewis, Harald Rost, Dr. Marina Rupp in Kooperation mit Prof. Dr. Tanja Mühling ( Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt; Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften)

Laufzeit: 01/2015 bis 09/2017