Familiale Generationenbeziehungen – Hilfe- und Unterstützungsleistungen von Erwachsenen für ihre Eltern

Der demografische Wandel geht mit einer steigenden Zahl alter hilfe- oder pflegebedürftiger Menschen einher. Die Mehrheit von ihnen wird innerhalb der Familie betreut. Das Forschungsprojekt untersucht, welche Pflegearrangements dabei gewählt werden, wie Familien diese Aufgabe organisieren und welche Auswirkungen sich daraus ergeben.

Gegenstand der Untersuchung

Für die Familien wird die Organisation und Sicherstellung der Versorgung und Pflege älterer Angehöriger in Zukunft noch an Relevanz gewinnen. Doch die Betonung der Familie als zentralen Akteur in der häuslichen Versorgung alter Menschen bedeutet nicht, dass innerhalb der Familie die entsprechenden Aufgaben und Belastungen gleich verteilt sind. Auf der Ebene der Partnerschaft ist beim Eintritt eines Pflegefalls in der Familie oft zu beobachten, dass auf traditionelle Rollenverteilungen zwischen Mann und Frau zurückgegriffen wird. Auch zwischen erwachsenen (Schwieger-)Kindern muss die Verantwortung für hilfebedürftige Eltern ausgehandelt werden. Häufig übernimmt eine (Schwieger-)Tochter die Hauptverantwortung für die ältere Generation. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie dann nicht nur im Sinne der Sorge für die nachwachsende Generation, sondern auch im Sinne der Sorge für die ältere Generation. Zudem setzen sozialpolitische Rahmenbedingungen sowie gesellschaftliche und kulturelle Bewertungen bestimmte Anreize. Insofern geht es im Kontext von Pflege immer auch um Fragen der (geschlechter)gerechten Verteilung von familialer Sorgearbeit, ebenso wie um innerfamiliale Solidarität, die Verbundenheit zwischen Eltern und erwachsenen Kindern und das aufeinander Angewiesensein der Generationen.

Methodisches Vorgehen

Inhaltlich und methodisch erfolgt eine Beschränkung auf Erwachsene, die ihre Eltern bzw. Schwiegereltern pflegen. Auf diese Weise ist das Forschungsprojekt anschlussfähig an die abgeschlossene ifb-Studie „Betreuung von Enkelkindern“: Enkelbetreuung ist eine Form instrumenteller Unterstützung, die von der älteren Generation für ihre Kinder, d.h. für die mittlere Generation, geleistet wird. Mit dem Thema Pflege im familialen Kontext wird nun ein anderer bedeutsamer Bestandteil der intergenerationalen Transfers untersucht. Theorien des sozialen Austauschs, innerfamiliale Reziprozitätsnormen und Normen der filialen Verpflichtung verbinden die Enkelkinderbetreuung und die Pflege von (Schwieger-)Eltern als verschiedene Dimensionen der Generationenbeziehungen. Internationale Vergleiche zeigen darüber hinaus, dass sowohl bei der Kinderbetreuung durch Großeltern als auch hinsichtlich der Pflege von älteren Familienangehörigen institutionelle Rahmenbedingungen und Angebote sowie die weibliche Erwerbsbeteiligung großen Einfluss haben.

Das Projekt gliedert sich in zwei Projektphasen:

In der ersten Phase im Jahr 2014 wurden Hilfe- und Unterstützungsleistungen von Erwachsenen für ihre Eltern in quantitativen Datenquellen analysiert. Die Ergebnisse dieser Analysen sind im ifb-Materialienband 3-2014 nachzulesen.

Die zweite Projektphase wird sich damit beschäftigen, wie Pflege organisiert wird und wer aus der Familie welche Aufgaben übernimmt. Diese und andere Aspekte sollen im Rahmen qualitativer Interviews mit erwachsenen Kindern von pflegebedürftigen Eltern bzw. Schwiegereltern sowie mit Experten näher untersucht werden.

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Projektinfo

Eigenprojekt mit Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration

Laufzeit: 1/2014 bis 12/2015

Projektteam: Dipl.-Soz. Ursula Adam, Dr. Adelheid Smolka
In Kooperation mit Prof. Dr. Tanja Mühling (Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt)

Veröffentlichungen

Adam, Ursula/Mühling, Tanja (2014): Familiale Pflege. Hilfe- und Unterstützungsleistungen von Erwachsenen für ihre Eltern in quantitativen Datenquellen. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 3-2014.