Bestandsaufnahme der familienbezogenen Bildungsarbeit

Gegenstand des Projekts ist die Umsetzung des § 16 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes von 1990 (SGB VIII). Diese Bestimmung legt fest, daß allen Erziehungsberechtigten und jungen Menschen Leistungen zur Förderung der Erziehung in der Familie angeboten werden sollen. Insbesondere geht es dabei um Angebote der Familienbildung für Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen, zur Mitarbeit in Erziehungseinrichtungen und in der Selbst- und Nachbarschaftshilfe sowie zur Vorbereitung junger Menschen auf Ehe, Partnerschaft und das Zusammenleben mit Kindern. In Fachkreisen ist es unumstritten, daß das Hauptziel die Unterstützung und Stärkung der Erziehungsverantwortung ist und daß der Prävention vor der Intervention Vorrang gegeben werden muß.

Gegenstand der Untersuchung

Der Freistaat Bayern fördert jährlich mit erheblichen Finanzmitteln die Durchführung familienbildender Maßnahmen in der Erwachsenenbildung und in speziellen Einrichtungen der Familienbildung. Es soll empirisch festgestellt werden, inwieweit die Ziele erreicht werden, welcher Personenkreis diese Angebote nutzt, wie das Qualifikationsprofil der Mitarbeiter und die Konzeption der Angebote beschaffen sind. Wir erwarten, daß die Ergebnisse der Untersuchung Hinweise dazu geben, wie die Wirksamkeit der Familienbildung gesteigert werden kann. Insbesondere wird es darum gehen, sie stärker auf ihre präventive Zielrichtung auszurichten.

Aus der Sicht der Jugendhilfe ist dabei das übergreifende Kriterium die Bedarfsgerechtigkeit der Familienbildung. Dies bedeutet, daß die Stärkung der elterlichen Erziehungsverantwortung in unterschiedlichen familialen Lebenslagen und Situationen gewährleistet werden muß (§ 16 SGB VIII). Daher sollen folgende Fragen durch eine empirische Untersuchung beantwortet werden:

  • Welche Träger der Erwachsenenbildung bieten Maßnahmen zur Familienbildung an?
  • Wie gestalten sich Themenstruktur, Zielgruppen und didaktische Formen?
  • Wie werden die Angebote der Familienbildung örtlich koordiniert? Welche Rolle spielt das Jugendamt, gibt es Arbeitsgemeinschaften?
  • Wie ist die soziale Struktur der Nutzer (Geschlecht, Schichtzugehörigkeit, Familien in unterschiedlichen Lebensphasen, Familienformen, Familien mit besonderen Problemlagen)?
  • Wer sind die Anbieter, Mitarbeiter, Kursleiter der entsprechenden Kurse, Vorträge u.ä.? Welche Qualifikationen bringen sie mit? Wie steht es mit Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter in der Familienbildung?
  • Wird die Vernetzung von Erziehungseinrichtungen und die Einbindung von Familien in Selbst- und Nachbarschaftshilfe berücksichtigt?

Praxisbezug

Insbesondere sind Schlußfolgerungen zu folgenden Problembereichen zu erwarten:

  • Vorschläge von Themengebieten, die bislang in der Familienbildung vernachlässigt wurden, die Benennung von Zielgruppen, die künftig stärker berücksichtigt werden sollen,
  • Empfehlungen zur besseren Koordinierung der örtlichen Familienbildung,
  • Empfehlungen zur Qualifikation und Fortbildung der Mitarbeiter und Kursleiter,
  • Vorschläge zur besseren Einbindung der Familienbildung in die Nachbarschafts- und Selbsthilfe.

Wir erwarten, daß alle Beteiligten auch vor Ort profitieren können. Durch Verbesserungsmöglichkeiten, die sich in der Praxis bewährt haben, soll die Familienbildung stärker auf die Bedürfnisse der Familien ausgerichtet werden.

Aus den Projektergebnissen können Vorschläge zu einer gezielteren Förderung und besseren Koordinierung der Familienbildung entsprechend den Richtlinien des KJHG entwickelt werden, so daß die Effektivität und Effizienz dieser präventiven Maßnahmen verbessert werden kann.

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Projektinfo

Projekt im Auftrag des Bayerischen Staatsmínsteriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit.

Laufzeit: Juli 1998-Juni 1999

Projektleitung: Dr. Wolfgang Walter

Projektbearbeitung: Dr. Kurt P. Bierschock

Veröffentlichungen

Kurt P. Bierschock/Rotraut Oberndorfer/Wolfgang Walter: Von den Elternbriefen zur Familienarbeit. Inhalte, Organisation, Wirkungsweise der Familienbildung. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 2-1998.

Wolfgang Walter/Kurt Bierschock/Rotraut Oberndorfer/Christian Schmitt/Adelheid Smolka: Familienbildung als präventives Angebot. Einrichtungen, Ansätze, Weiterentwicklung. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 5-2000.