MAJA - Familienbildung als neues Aufgabenfeld für Hebammen

In Kooperation mit dem Bayerischen Hebammen Landesverband wurde ein Fortbil­dungsprogramm erarbeitet, mit dem Hebammen ihre Kompetenzen in der Familienbildung weiterentwickeln können. In diesem werden nicht nur Inhalte wie veränderte Partnerschaftsrollen, zeitliche, finanzielle und soziale Ressourcen, Sexualität, Kommunikation und Gesprächsführung sowie Vernetzung und Hilfen in besonderen Fällen besprochen, sondern auch Methoden der praktischen Arbeit mit den Eltern vermittelt.

Projektbeschreibung

Familienbildung versteht sich als ein Angebot, das grundsätzlich allen Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen zugänglich sein soll. Unabhängig von bereits existierenden Schwierigkeiten geht es darum, Eltern präventiv bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung zu unterstützen. Dabei kommt dem Zeitraum rund um die Geburt eines Kindes besondere Bedeutung zu. Zum einen sind die Veränderungen tiefgreifend und in den verschiedensten Bereichen wirksam – so muss auf der individuell psychischen Ebene ebenso wie bei der Alltagsstrukturierung oder dem Zusammenleben als Paar eine neue Balance gefunden werden. Entsprechend ist der Informationsbedarf in dieser Familienphase hoch – was auch in der breiten Wahrnehmung von Geburtsvorbereitungskursen zum Ausdruck kommt. Zum anderen finden im Übergang zur Elternschaft weitreichende und entscheidende Weichenstellungen, wie z.B. für die Entwicklung der Partnerschaftszufriedenheit, statt. Im Hinblick auf Familienbildung erscheint es demnach sinnvoll, Eltern bereits frühzeitig anzusprechen und dabei auf die von ihnen akzeptierten Zugangswege zurückzugreifen. Hebammen stellen eine Berufsgruppe dar, die in aller Regel über Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Familien verfügt und der gegenüber Eltern eher geringe Berührungsängste haben. Ihr Angebot setzt noch vor der Geburt ein, begleitet die Eltern durch den Übergang und wird auch von Vätern wahrgenommen. Hebammen sind "Profis zum Anfassen", deren Wissen und Erfahrungen respektiert und Wert geschätzt werden. Damit sind sie eine wichtige Quelle für Unterstützung und können eine gute Schnittstelle ins Hilfesystem bilden.

Die Zielsetzung der Fortbildung ist es, das Handlungsrepertoire der Hebammen zu fundieren und zu erweitern, dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Hebammen die Grenzen des eigenen Aufgabenfeldes im Blick behalten und sich so informieren und vernetzen, dass sie Familien bei Bedarf professionell weiterleiten können.

Die sechstägige Fortbildung (je zwei Tage in drei Blöcken) wird in Regie von Familienbildungsstätten bzw. -einrichtungen in allen Regierungsbezirken Bayerns durchgeführt. Die Kurse selbst werden von jeweils zwei speziell für diese Fortbildung geschulten Fachkräften aus der Familienbildung geleitet. Die gesamte Fortbildung wird wissenschaftlich begleitet.

Vorgehen

Das Fortbildungsprogramm wurde in Kooperation mit dem Bayerischen Hebammen Landesverband und gemeinsam mit verschiedenen Fachkräften entwickelt. Hierzu wurden mit einer Gruppe von Hebammen zwei Probekurse durchlaufen und ausgewertet, so dass die Ergebnisse zur Überarbeitung und Erweiterung des Konzeptes genutzt werden konnten. Auf dieser Grundlage wurde ein dreibändiges Manual für Teilnehmerinnen sowie umfangreiche Schulungsmaterialien für die Kursleitung erstellt. Nach der Multiplikator(inn)enschulung haben die ersten Fortbildungsblöcke bereits im November 2006 begonnen.

Für die wissenschaftliche Begleitung wurden Erhebungsinstrumente zur Beurteilung der Umsetzung auf den verschiedenen Ebenen entwickelt. Die Bewertung der Teilnehmerinnen erfolgt detailliert für jedes Fortbildungsmodul der Hebammenkurse anhand eines Fragebogens. Um Auswirkungen auf die Arbeitspraxis der Teilnehmerinnen längerfristig nachvollziehen zu können, werden diese zudem ein halbes Jahr nach Abschluss des Kurses nochmals um eine ausführliche Rückmeldung ersucht. Auf Ebene der Kursleitung wird neben der Bewertung der Multiplikator(inn)enschulung die Dokumentation des Fortbildungsablaufes sowie deren Einschätzung für jede Kurseinheit erhoben. Zudem finden jährliche Auswertungen in Form von Gruppendiskussionen sowie teilstandardisierte mündliche Befragungen der Kursleiter(innen) statt.

nach oben

Teaser Maja
Projektinfo

Das Projekt wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen

Laufzeit: Mai 2005 bis Februar 2010

Kontakt: Dr. Marina Rupp und Melanie Mengel

Veröffentlichungen

Kurzbericht Maja. Hebammen helfen Eltern. Zentrale Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung, ifb-Materialien 4-2010. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, 2010.

Maja. Hebammen helfen Eltern. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung, ifb-Materialien 5-2010. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, 2010.