Veränderungen bei der Berufsrückkehr von Müttern nach einer Familienpause (DFG-Projekt)

Mit der Neuregelung der Elternzeit haben sich die familienpolitischen Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit geändert. Das Projekt untersucht, wie junge Mütter heute die Elternzeit nutzen, wann und in welchem Umfang sie in den Beruf zurückkehren, welche Motive ihre Entscheidungen beeinflussen und welche Erfahrung sie nach der Rückkehr in den Beruf machen.

Gegenstand der Untersuchung

Die Geburt eines Kindes ist fast immer mit einer Erwerbsunterbrechung der Mutter verbunden. Zu welchem Zeitpunkt, ob überhaupt und in welchem Umfang die Rückkehr in das Erwerbsleben erfolgt und wie diese organisiert wird, hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und hängt von den strukturellen Rahmenbedingungen, den normativen Familienleitbildern, individuellen Präferenzen, der Familienform und den Entscheidungsprozessen auf der Paarebene ab. Die Familienpolitik hat die strukturellen Rahmenbedingungen für eine frühzeitige Berufsrückkehr von Müttern und für eine stärkere Beteiligung der Väter an der Familienarbeit in den letzten Jahren deutlich verbessert; vor allem durch den Ausbau von Krippenplätzen, die Einführung des Elterngeldes und die Ausgestaltung der neuen Elternzeit im Jahr 2007.

Vor diesem Hintergrund soll die Dynamik des beruflichen Wiedereinstiegs von Frauen nach der Inanspruchnahme von Mutterschutz und Elternzeit näher untersucht werden. Es stellt sich die Frage, welche Mütter nun welche Dauer der Erwerbsunterbrechung wählen und welche Erfahrungen sie beim beruflichen Wiedereinstieg machen. In diesem Zusammenhang wird auch die Rolle der Elternzeit von Vätern analysiert. Zudem werden die Bereiche institutionelle Kinderbetreuung und innerfamiliale Aufgabenteilung beleuchtet. Von Interesse ist darüber hinaus, aus welchen Gründen manche Frauen auf eine rasche Berufsrückkehr verzichten und inwiefern sich die Lebenssituation und Einstellungen von berufstätigen und nicht berufstätigen Müttern unterscheiden.

Methodisches Vorgehen

Die zentrale Datenbasis des DFG-Forschungsprojekts bildet die ifb-Berufsrückkehrstudie 2010, eine vom StMAS finanzierte Primärerhebung, für die 1.453 bayerische Mütter befragt wurden, deren Kinder zum Befragungszeitpunkt rund drei Jahre alt waren. Ein großer Teil dieser Mütter verfügte bereits über Wiedereinstiegserfahrungen, überwiegend in Form von Teilzeitarbeit oder geringfügiger Beschäftigung. Vor der Geburt des Kindes im Jahr 2007 waren 83 % der Befragten berufstätig gewesen. Somit ergibt sich unter den Frauen eine Vielzahl von unterschiedlichen Erwerbsverläufen, die auch abhängig von der Kinderzahl sind. Der Datensatz ist daher gut geeignet, die unterschiedlichen Berufsverläufe der Mütter zu vergleichen und deren berufliche Orientierungen zu analysieren.

Ergänzende Längsschnittanalysen des SOEP zu den Berufsverläufen von Müttern vergleichen insbesondere die weiblichen Erwerbsmuster vor und nach den Reformen der Elternzeit und des Elterngeldes. Hierfür wurde eine Expertise an den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Empirische Mikroökonomik, von Prof. Dr. Guido Heineck, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, vergeben.

Darüber hinaus wird die Untersuchung „Familien in Deutschland“ (FiD) herangezogen, um die Informationen aus der ifb-Berufsrückkehrstudie 2010 um deutschlandweite Daten sowie um Ost-West-Vergleiche zu ergänzen. Im Fokus der Auswertungen stehen subjektive Faktoren, die im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit der Mutter und der Kinderbetreuung stehen können. Dabei interessieren u. a. die Zufriedenheit der Mütter und die gemeinsam verbrachte Zeit mit dem Kind.

Ausgewählte Ergebnisse

Insgesamt 38,2 % der Mütter sind zum Interviewzeitpunkt noch nicht in das Berufsleben zurückgekehrt. Sie werden im Folgenden näher beschrieben:

Die nicht erwerbstätigen Mütter befinden sich zu drei Vierteln noch in der
Elternzeit oder schon wieder im Mutterschutz, 17 % sind Hausfrauen und 5 % arbeitslos gemeldet. Die verschiedenen Motive zur Begründung dieser (etwas) längeren Pause fallen in drei große Bereiche, wie die Grafik zeigt.

Graph Berufsrueckkehr

Es fällt zunächst auf, dass die Motive aus dem Bereich Familie mit Abstand am stärksten vertreten sind. Darunter fällt auch das insgesamt am häufigsten genannte Argument, nachdem die Mutter sich ganz um ihr Kind kümmern möchte (79,1 %). Viele Frauen verzichten deswegen auf eine Erwerbstätigkeit und planen den Wiedereinstieg erst für später (70,4 %). Mit rund 48 % begründet fast jede zweite Frau ihre Entscheidung u. a. mit einer zu großen Doppelbelastung. Am zweithäufigsten entfallen die Antworten auf den Bereich Kinderbetreuung, welcher die Kosten und die Verfügbarkeit von Betreuungsmöglichkeiten beinhaltet. Wichtig ist hierbei die Aussage, dass sich niemand anderes als die Mutter um das Kind kümmern kann (51,6 %). Von insgesamt geringerer Bedeutung für die aktuelle Nichterwerbstätigkeit zeichnet sich der Bereich Arbeitsplatz ab, wobei Verfügbarkeit und Zufriedenheit damit abgefragt wurden. Beispielsweise verzichten 21,7 % der Frauen auf eine Berufstätigkeit, weil ein Arbeitsplatz fehlt, der den eigenen Wünschen entspricht.

Wie erwartet, nennen arbeitslos gemeldete Frauen überwiegend Aspekte des Arbeitsmarktes, Hausfrauen thematisieren überdurchschnittlich oft fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten und bei Frauen in Elternzeit oder Mutterschutz sind familienbezogene Aspekte die wichtigsten Motive.

Eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt wird mit 97 % von fast jeder Frau geplant, knapp 2 % sind sich noch nicht sicher und lediglich 1,3 % (n = 7) der Frauen möchten in Zukunft nicht erwerbstätig werden. Der Wiedereinstieg wird überwiegend „aus Freude am Beruf“, aber auch aus finanziellen Gründen und wegen der Altersvorsorge angestrebt. Der geplante Zeitraum bis zum Wiedereintritt fällt kürzer aus, wenn das 2007 geborene Kind keine jüngeren Geschwister hat und bereits institutionell betreut wird.

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Projektinfo

DFG-Projekt; Datenerhebung gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.

Laufzeit: 4/2011 bis 3/2014

Projektleitung: Dr. Tanja Mühling, Dipl.-Soz. Harald Rost, Dr. Marina Rupp

Projektbearbeitung:
Dipl.-Soz. Loreen Beier (bis 6/2012),
Dipl.-Soz. Andrea Buschner (ab 5/2012), Dipl.-Soz. Christian Haag, Dipl.-Soz. Jessica Schreyer (ab 7/2012)

Veröffentlichungen

Mühling, Tanja/Rost, Harald/Rupp, Marina (Hrsg.) (2013): Berufsrückkehr von Müttern. Lebensgestaltung im Kontext des neuen Elterngeldes. Opladen/ Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Rupp, Marina (2013): Die Berufsrückkehr von Müttern unter den Bedingungen des neuen Elterngeldes. Broschüre mit zentralen Studienergebnissen. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 1-2013.

Darüber hinaus ist ein Beitrag zur Teilzeitbeschäftigung während des Elterngeldbezugs für eine wissenschaftliche Fachzeitschrift in Vorbereitung.