Innerfamiliale Arbeitsteilung als Prozess. Die Veränderung der Arbeitsteilung im Beziehungsverlauf

Ziel dieser Studie ist es, durch die Analyse der qualitativen Längsschnittdaten besser zu verstehen und erklären zu können, wie und warum sich die Arbeitsteilung im Bereich der Hausarbeit im Zuge des Übergangs zur Elternschaft traditionalisiert und wie diese Veränderung von beiden Partnern gedeutet wird.

Gegenstand der Untersuchung

Der Übergang zur Elternschaft stellt eine zentrale Schaltstelle für die Rollenaufteilung in Paarbeziehungen dar. Zahlreiche quantitative Studien haben in den letzten Jahren übereinstimmend gezeigt, dass die Geburt eines Kindes mit einer Traditionalisierung der Hausarbeit einhergeht. Allerdings ist die detaillierte Erfassung von konkreten Entscheidungsprozessen und subjektiven Interpretationen der Partner, welche dieser Dynamik zugrunde liegt, mittels standardisierter Daten nur schwer möglich. So bleibt es unklar, wie es zu dieser Trendwende von eher egalitären zu traditionellen Rollenvorstellungen kommt und welche subjektiven Erklärungs- und Deutungsprozesse diese Änderungen motivieren und rationalisieren.

Die Entscheidung, ob ein (und gegebenenfalls welcher) Partner (Mann, Frau oder beide) seine Berufstätigkeit reduzieren oder zeitweilig aufgeben wird, und wie die alltägliche Verantwortung für das Kind geteilt werden kann, ist insbesondere bei Paaren mit egalitären Rollenvorstellungen und ähnlichen beruflichen Ausgangssituationen aus theoretischer Sicht häufig unklar. Die Dynamik von Entscheidungsprozessen innerfamilialer Arbeitsteilung bei (Ehe-)Paaren rund um den Übergang zum ersten Kind können nur auf Basis qualitativer Interviews sinnvoll abgebildet werden.

Es stehen die folgenden, konkreten Fragen im Mittelpunkt der Auswertungen: Wie und warum verändern sich die Anforderungen an die Hausarbeit und die Verteilung der Aufgaben nach der Geburt des ersten Kindes? Welche Muster der Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden von den Paaren vor der Geburt antizipiert und schließlich praktiziert? Woran sind die Erwartungen bezüglich der Arbeitsteilung gekoppelt? Spielen geschlechtsspezifische Stereotype eine Rolle? Welchen Einfluss haben Erlebnisse bzw. Erfahrungen aus der Herkunftsfamilie und Sozialisation? Welche Rolle spielt das soziale Umfeld, d.h. Eltern und Schwiegereltern, Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte? Wie unterscheiden sich die Paare hinsichtlich ihrer Partnerschaftsgeschichte und ihrer Einstellungen? Welchen Einfluss haben diese Faktoren auf die Dynamik der Aufgabenteilung im Haushalt? Wie deuten die Paare die Veränderung in Richtung "Traditionalisierung" und wie arrangieren sie sich damit? Wie gehen die Paare mit dem Widerspruch um, dass sie zwar egalitäre Vorstellungen haben, die Alltagspraxis aber zunehmend durch Traditionalisierung gekennzeichnet ist? Gibt es durch diese Veränderungen Konflikte zwischen den Partnern und falls ja, welche Konfliktlösungsstrategien werden verwendet?

Durch die Beantwortung dieser Fragen werden wir die einschlägigen Theorien zur Erklärung der Dynamik innerfamilialer Arbeitsteilung (z.B. Familienökonomie, Verhandlungstheorie oder Doing Gender) mit qualitativen Daten konfrontieren. Wir erwarten, dass wir auf diese Weise die konkreten Begründungen und Argumentationen der Paare mit den idealtypischen Mechanismen abgleichen können, um Übereinstimmungen und Unstimmigkeiten zwischen Theorie und Empirie zu identifizieren und besser zu verstehen.

Inhaltliches und methodisches Vorgehen

Bei der Studie handelt es sich um eine leitfadenbasierte Längsschnittbefragung von 14 Paaren beim Übergang zur Elternschaft. Diese Paare wurden zum ersten Mal im Frühsommer 2006 in der Schwangerschaft zu ihrer aktuellen beruflichen und privaten Situation, zu vorausgegangenen Entwicklungen seit der Paargründung sowie zu ihren Plänen und Wünschen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit, Haushaltsarbeit und die Kinderbetreuung befragt. Etwa ein halbes Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes wurden die Paare im Juni 2007 erneut zu diesen Themen befragt, mit dem zusätzlichen Schwerpunkt darauf, ob sie ihre Vorstellungen und Wünsche der Alltagsgestaltung bei der Hausarbeit, der Kinderbetreuung, und hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verwirklichen konnten, welche unterstützenden oder hinderlichen Rahmenbedingungen dabei relevant waren, und wie die jungen Väter und Mütter ihre derzeitige Situation subjektiv erleben. Die Befragungen fanden zu beiden Zeitpunkten für beide Partner getrennt statt.

nach oben