Prozesse familialer Komplizenschaft und (un-)sichtbarer Ungleichheiten: Kindheit und Familienleben in Bayern (KidsComplicity)
Termin
21.04.2026, 10:00 – 11:30 Uhr, in Präsenz, Online-Teilnahme möglich
Referentin
Prof. Dr. Rita Braches-Chyrek, Universität Bamberg
Zusammenfassung
Die Analyse der kindlichen Praktiken, mit denen familiale Ordnungen aktiv hergestellt werden, ist Gegenstand der ethnografisch angelegten Familienforschung im Teilprojekt 3 Prozesse familialer Komplizenschaft und (un-)sichtbarer Ungleichheiten: Kindheit und Familienleben (KidsComplicity) des Bayerischen Forschungsverbundes ForFamily. Genutzt werden die praxeologischen Ansätze des "Doing family" und des "Displaying family", um einen empirisch wie theoretisch fundierten Beitrag zu den erlebten und wahrgenommenen Handlungsspielräumen von Kindern in Familien leisten zu können (Jurczyk/Lange/Thiessen 2014; Jurcyk 2020; Lange 2025; Finch 2007). Mit der ethnografischen Forschungsperspektive wird ein zweifacher Erkenntnisanspruch verfolgt: eine verstehende, immanente Beschreibung des Familienalltages aus der Perspektive der Kinder und eine erklärend-analytische Rekonstruktion der kindlichen Praktiken und Rituale (Doing family) (Lange 2025, S. 234). Kindliche Praktiken des nach innen und außen gerichteten Sichtbarmachens von familialen Beziehungen, Aktivitäten und ihre Auseinandersetzungen mit Dingen, wie sich bspw. im Umgang mit Medien, Spielzeug oder der materiellen Gestaltung des Kinderzimmers zeigts, können durch die empirische Berücksichtigung von Kinderinteressen analytisch verdichtet und ins Verhältnis zu den Bedingungen ihres Aufwachsens gesetzt werden (Schachtner 2021, S. 245). Es wurden Alltagssituationen in 12 bayrischen Familien über einen Zeitraum von 8 Monaten teilnehmend beobachtet. Die bisherigen Auswertungen der dichten Beschreibungen (ethnographic writing) (Hirschauer 2007, S. 414) weisen darauf hin, dass die Relevanzstrukturen des beobachteten familialen Alltags, also die sichtbaren und weniger sichtbaren kindlichen Praktiken, mit welchen Kinder umfassendere Bedeutungssysteme und -räume in Familien verknüpfen und wie diese von den Familienmitgliedern verstanden werden, hoch interdependent und mehrdimensional sind (Lange 2025, S. 237). Rekonstruiert werden demzufolge die unterschiedlichen kindlichen Handlungsmotive und wie es Kindern gelingt, als kompetente Akteure - verdichtet durch das Agency-Konzept (Moran-Ellis 2025) - in Erscheinung zu treten. Im Vortrag werden ausgewählte lebensweltlicher Ausschnitte, Situationen und Ereignisse im Familienalltag aus der Perspektive von Kindern diskutiert.
Vortragssprache
Deutsch
Wenn Sie am Kolloquium teilnehmen möchten, schicken Sie bitte bis spätestens einen Tag vor dem betreffenden Kolloquium (10:00 Uhr) eine entsprechende E-Mail an sekretariat@ifb.uni-bamberg.de.