Zusammenleben der Generationen - jetzt und später

Gegenstand des Projekts sind die Beziehungen zwischen Familiengenerationen, insbesondere zwischen der mittleren und der älteren Generation. Diese Generationenverhältnisse sind aufgrund der demographischen Entwicklung verstärkt in die öffentliche Diskussion geraten. Dabei dominieren Schreckensszenarien, wie sie z.B. im Schlagwort vom "Krieg der Generationen" zusammengefaßt werden.

Gegenstand der Untersuchung

Wissenschaftliche Ergebnisse ergeben jedoch ein anderes Bild. Erstens tritt aufgrund der sinkenden Geburtenrate und der steigenden Lebenserwartung im Übergang zum neuen Millenium eine Situation ein, bei der immer mehr ältere Menschen immer weniger Menschen jüngeren und mittleren Alters gegenüberstehen. Wegen der Neuartigkeit dieser gesellschaftlichen Erscheinung lassen sich jedoch kaum gesicherte Prognosen über ihre Auswirkungen auf das Verhältnis der Familiengenerationen treffen. Zweitens ist entgegen den populären Katastrophenmeldungen das Miteinander der Generationen in Familien sehr intensiv und das Niveau der gegenseitigen Unterstützung außergewöhnlich hoch. Gute Beziehungen zwischen den Familiengenerationen sind ein hohes Gut in einer Gesellschaft. Sie zu bewahren, ist angesichts der demographischen Entwicklung ein wichtiges politisches Ziel. Das Projekt kann dazu beitragen, indem es gesichertes sozialwissenschaftliches Wissen über Generationenverhältnisse in einer verständlichen Form bereitstellt und dadurch den Generationen hilft, mit den Anforderungen einer sich wandelnden familiären Wirklichkeit umzugehen.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt in der Bestandsaufnahme bisheriger Forschungen zum Thema anhand der einschlägigen Literatur, um zukünftige Handlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten zu ermitteln. Insbesondere werden folgende Fragen behandelt:

  • In welchen typischen Lebenslagen befinden sich Vertreterlnnen der älteren und mittleren Generation gegenwärtig? D.h.: "Wie geht es" den Familiengenerationen?
  • Welche Auswirkungen haben die demographischen Veränderungen auf das Generationenverhältnis?
  • Welche unterschiedlichen Reaktionen gibt es auf diese Veränderungen? Unter welchen Bedingungen treten eher Entlastungen, unter welchen Bedingungen eher Belastungen auf?
  • Welcher Bedarf an Hilfen besteht bei den beiden Generationen hinsichtlich der Bewältigung ihrer Lebenssituation und der sozialen Veränderung?
  • Wie können die Generationen zu einem neuen, produktiven, auskömmlichen Miteinander finden? Welche Handlungsmöglichkeiten haben Einzelne oder Gruppen in dieser Situation? Welche Handlungsnotwendigkeiten ergeben sich aus der Situation?

Die zu erarbeitenden Ergebnisse werden in einem allgemeinverständlichen "Bericht zur Lage der Generationen" zusammengefaßt. Sie werden auf einer Tagung zum Internationalen Jahr der Senioren im Jahr 1999 vorgestellt. Zweitens wird hieraus eine Schrift zur Familienbildung entwickelt. Ähnlich wie die Elternbriefe junge Menschen auf ihre Erziehungsverantwortung vorbereiten, soll ein sogenannter "Generationenbrief" die mittlere und ältere Generation über die bevorstehende Lebensphase im höheren Alter informieren. In dem "Generationenbrief" werden Informationen über die Lebenslage, die Bedürfnisse, die Handlungsspielräume, die wechselseitigen Sichtweisen und die notwendigen Verständigungsprozesse für beide Generationen allgemeinverständlich zusammengefaßt und durch praktische Hinweise sowie weitere Hilfs- und Beratungsangebote ergänzt. In Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Angehörigen- und Seniorenarbeit (Seniorenbüros) wird drittens ein Modellprojekt der Generationenbildung ("Dialog der Generationen") erarbeitet. Dabei soll der Bedarf an Orientierung, den die Generationen im beschleunigten sozialen Wandel verspüren, in Zusammenarbeit mit den Seniorinnen und Senioren, ihren Vereinigungen und Einrichtungen ermittelt und befriedigt werden.

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Projektinfo

Projekt im Auftrag des Bayerischen Staatsmínsteriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit.

Laufzeit: April 1998 bis März 2001

Projektleitung: Dr. Wolfgang Walter

Projektbearbeitung: Josef Lukatsch, MA; Dr. Ursula Dallinger

Veröffentlichungen

Ursula Dallinger/Wolfgang Walter: Bericht zur Lage der Generationen - ifb-Materialien zur Tagung "Erstes, zweites,drittes Lebensalter. Perspektiven der Generationenarbeit" in der Akademie für politische Bildung, Tutzing 21./22. Sept. 1999. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien Nr. 2-1999.

Wolfgang Walter (Hg.): Erstes, zweites, drittes Lebensalter. Perspektiven der Generationenarbeit. Dokumentation einer Tagung. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien Nr. 3-1999.

Ursula Dallinger/Christian Schmitt: Zusammenleben der Generationen - Perspektive der Generationenarbeit. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien Nr. 2-2001.