Das Ehrenamt im Umfeld der Familie

Freiwilligenengagement ist ein Thema, das in den vergangenen Jahren zunehmende Aufmerksamkeit in der öffentlichen Diskussion und der Forschung erhalten hat. Das Internationale Jahr der Freiwilligen unterstreicht diese Entwicklung. Mit dieser Studie wird eine bislang vernachlässigte Fragestellung aufgegriffen, nämlich: Welche Bedeutung kommt der Freiwilligenarbeit im Hinblick auf die Entlastung von Familien zu?

Gegenstand der Untersuchung

Die Studie konzentriert sich dabei auf Freiwilligenarbeit, die Familien mit minderjährigen Kindern in ihren Betreuungs- und Erziehungsleistungen unterstützt. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Arbeit von Freiwilligen einen wichtigen Beitrag zur Entlastung von jungen Familien leistet und die Bedeutung von Freiwilligenarbeit künftig noch weiter steigen wird. Folgende konkrete Fragestellungen werden bearbeitet: In welchen Bereichen und in welchem Umfang kommt Freiwilligenarbeit jungen Familien zugute? Welche Menschen engagieren sich für junge Familien und welche Motive sind für ihr Engagement ausschlaggebend? In welche Strukturen ist das Engagement eingebunden und welche Probleme, Chancen und Perspektiven der Freiwilligenarbeit für junge Familien werden aus Sicht von Expertinnen und Experten wahrgenommen?

Methodik

Zur Bearbeitung der Forschungsfragen wurden zwei sich ergänzende methodische Zugänge gewählt. Zum einen wurden Sekundäranalysen des Freiwilligensurveys durchgeführt. Zum anderen fanden bayernweit 35 Telefoninterviews statt mit Expertinnen und Experten aus konkreten Initiativen sowie aus Institutionen, in denen Freiwilligenarbeit für junge Familien geleistet wird. Zudem wurden die relevanten Fragen im Rahmen einer Expertendiskussion erörtert.

Ergebnisse

Entsprechend den Daten des Freiwilligensurveys ist davon auszugehen, dass etwa 40% des Freiwilligenengagements, das insgesamt in Deutschland erbracht wird, jungen Familien zugute kommt. Ein großer Teil des Freiwilligenengagements entlastet junge Eltern ganz allgemein. Daneben liegt eine breite Palette von Angeboten vor, die für ganz spezifische Situationen ausgestaltet sind und somit die Vielfalt familialer Lebensformen, Lebenslagen und spezifischer Problemsituationen berücksichtigen. Die Aktiven in diesen Bereichen erwiesen sich als besonders stark engagiert. Insgesamt wird deutlich, dass nahezu alle Familien mit minderjährigen Kindern zumindest phasenweise Unterstützung durch freiwillig Engagierte erhalten. Zu dem Freiwilligenengagement, das besonders vielen Familien zugute kommt, zählt u.a. die ehrenamtliche Tätigkeit von Elternvertretern in Kindergärten und Schulen, im Bereich der religiösen Erziehung der Kinder, in Mutter-Kind-Gruppen, im Kinder- und Jugendsport sowie in der Jugendarbeit. Während im allgemeinen mehr Männer als Frauen ehrenamtlich aktiv sind, zeigt sich unter denjenigen, die sich für junge Familien engagieren, dass Frauen häufiger als Männer vertreten sind. Die Engagierten gehören meist selbst der "Zielgruppe" an, für die sie sich engagieren, oder sie haben zumindest einen engen Bezug zu ihr. Ein weiteres wichtiges Motiv für ihren Einsatz ist der Wunsch nach beruflicher Weiterqualifikation. Dies gilt insbesondre für Freiwillige, die sich im Bereich der Angebote für Familien in besonderen Lebenslagen oder Problemsituationen einsetzen. Soweit Expertinnen und Experten Probleme in diesem Bereich der Freiwilligenarbeit wahrnehmen, beziehen sich diese auf organisatorische und strukturelle Aspekte der freiwilligen Arbeit. Ihre Inhalte wie auch die Qualität der Leistungen werden hingegen überaus positiv bewertet.

Resümee

Folgende Schlussfolgerungen lassen sich im Hinblick auf die Förderung der Freiwilligenarbeit im Umfeld junger Familien ziehen:

  • Institutionen, an denen Freiwilligenengagement organisatorisch eingebunden ist, bauen derzeit Daten auf, die über die Freiwilligen in den eigenen Reihen informieren. Hierbei sollte auch der Adressat der Leistungen erfasst werden. Entsprechende Informationen sind für inhaltliche Schwerpunktsetzung als auch für die Öffentlichkeitsarbeit von großer Bedeutung.
  • Der Wandel in den Motiven von Freiwilligen erfordert Anpassungsleistungen. Gefordert wird mehr Service für die Aktiven, eine bessere Honorierung der Verantwortung und stärkere finanzielle Entschädigungen durch Mischformen von Ehrenamt und geringfügiger Entlohnung. Für die Entwicklung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen besteht ein erheblicher Informationsbedarf.
  • Im Bereich der Kinderbetreuung übersteigt die Nachfrage nach freiwillig erbrachten Leistungen das bestehende Angebot bei weitem. Hier wäre demnach zu prüfen, inwieweit die Anzahl der Freiwilligen erhöht werden kann.
  • Die zentralen Anlaufstellen der medizinischen und psychosozialen Versorgung einer Region sollten über bestehende ehrenamtliche Leistungen für junge Familien in der Region informiert sein. Hier besteht ein erheblicher Vernetzungsbedarf.

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Projektinfo

Eigenprojekt

Laufzeit: 3/2001 bis 8/2001

Projektleitung: Dr. Andreas Klocke

Projektbearbeitung: Dr. Ruth Limmer, Dipl.-Soz. Detlev Lück

Veröffentlichungen

Klocke, A./Limmer, R./Lück, D. (2001): Das Ehrenamt im Umfeld der Familie. Bamberg: Staatsinstitut für Familienforschung, ifb-Materialien 7-2001.